Wer mir auf Instagram folgt, hat vielleicht schon bei meiner Beikost Fragerunde teilgenommen die ich Anfang der Woche gemacht habe. So viele tolle Fragen kamen und auch einige die mich baten es irgendwie abzuspeichern. Daher hier, abgetippt für euch im Blog.

„Und wieviel hat er gegessen?“ – „Er ist wohl eher wählerisch?“ – „Du musst das Gemüse zuerst einbringen damit er das später mal isst!“ So oder so ähnlich, tausendfach gehört. Das Problem? Kinder funktionieren so nicht. Essen funktioniert so nicht. 

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Aber mal von Anfang an:

Unsere Babys kommen zu uns und wissen was sie brauchen. Sie trinken so viel Milch bis der Bauch voll ist und meldet „Satt, super Ding!“ Sie trinken so oft sie es brauchen. Und an meinem Nippel hängt kein Zähler der misst wieviel das Baby trinkt. Denn das brauchen wir nicht. Babys kommen kompetent zu Welt und wissen was ihnen gut tut.

Sie werden älter, zeigen Interesse am Essen. Sitzen aufrecht, greifen danach. Der Zungenstoßreflex geht verloren. Mir hatte mal eine Mama gesagt „Dein Baby ist bereit für Beikost, wenn es von deinen Teller klaut, es in den Mund steckt, kaut und schluckt.“

Das war bei meinem Sohn so rund ab dem sechsten Monat der Fall. Seitdem isst er selbstbestimmt, anfangs Fingerfood, zwischendrin mal Brei, dann wieder ausschließlich selbst. Ich biete ihm alles an was wir auch essen, lasse ihn auswählen. Es gibt kein schlechtes und kein gutes Essen. Es gibt keine Do‘s und Don’ts und ja, sicher auch keine Tischmanieren. Denn es geht darum essen kennen zu lernen: wie fühlt es sich an, wie sieht es aus und dann erst: wie schmeckt es?

Das ist anstrengend und ne Riesen Sauerei an manchen Tagen. Warum ich es trotzdem mache? Ich will, das meine Kinder eine positive Einstellung zum Essen bekommen. Essen soll kein Zwang, Ernährung kein Eierlaufen sein. Kinder kommen kompetent zu uns und wissen welche Nährstoffe sie brauchen, davon werden sie nehmen, wenn man sie lässt. Und wenn sie, wie mein Kleiner gerade, mal wieder Tage haben an denen sie nicht essen. Verzweifelt nicht. Es ist vollkommen normal.

Ein Kind wird essen, wenn es Hunger hat. Es wird nicht essen, wenn man Druck ausübt. Essen braucht keine Wertung, keine Regeln, keine Reihenfolge und keinen Beikostplan. Es braucht Geduld, Liebe und Wahlfreiheit. Und der Rest findet sich.

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  1. Was empfiehlst du für die Anfänge als Fingerfood?

Banane, Avocado, Gurke, Brot, gedünsteter Apfel und Hirsestangen

2. Unsere kleine (7 Monate) verschluckt sich bei jedem Bissen – ist es wirklich noch zu früh?

Das kann gut sein. Ich würde mal zwei Wochen aussetzen und dann schauen wie die Situation ist. Die meisten Kinder erfüllen erst später die Beikostreifezeichen.

Diese lauten wie folgt:

  • das Baby kann selbstständig sitzen
  • das Baby macht Kaubewegungen, zeigt Interesse am Essen (nicht am Löffel)
  • der Zungenstoßreflex ist abgeschwächt
  • die ersten Zähne brechen durch
  • das Baby führt koordiniert Hand zu Mund Bewegungen aus
  • kann den Kopf alleine halten

3. Wie streng bist du beim würzen der Beikost, zb mit Salz?

Gar nicht – laut Empfehlung sollen Kinder unter einem Jahr nicht mehr als 1gr Salz zu sich nehmen pro Tag. 1gr ist unglaublich viel, soviel schmeiß ich ans komplette essen nicht dran. Für Kinder die mit dem Essen beginnen achte ich also einfach nur darauf frisch und salzarm zu kochen.

Bei Gewürzen spare ich nicht, die erleben wir alle gemeinsam. Ganz lange liebten meine Kinder zb Süßkartoffel Curry. Aber ein Curry? Ist das nicht zu scharf? Mine Antwort: was essen wohn indische Kinder? Es kommt immer darauf an was man kennt und womit man aufwächst.

4. Wie funktioniert dann der Übergang zum Besteck?

Wie bei Kindern die die Beikost mit dem Löffel bekommen haben auch. Man legt es einfach dazu und die Kinder werden einen imitieren. Ich habe schon 6 Monats Babys gesehen, die konnten löffeln! Mein Sohn benutzt jetzt mit einem Jahr auch eine Gabel und piekst sein Essen auf. Manchmal gehts ihm aber nicht schnell genug und er nimmt doch die Hand. Für uns kein Problem, ich bin mir sicher kein 20jähriger wird beim Geschäftsessen sitzen und mit den Händen essen.

5. Mein Kleiner würgt sobald der Löffel kommt, uns beobachtet er aber sehr interessiert beim Essen

Die Frage mit dem Löffel kam echt oft. Kurz erklärt warum das so ist: mit dem Löffel bringt man Nahrung oft hinter den Punkt im Mund, ab dem das Kind es noch selbstständig ausspucken könnte. Evolutionstechnisch ist es nicht das klügste etwas zu essen, das man nicht kennt. Dessen Farbe, Konsistenz und Genießbarkeit man sich vorher nicht versichert hat. Also ist der erste Reflex es natürlich wieder auszuwürgen. Soviel zur Theorie – nun muss jeder für sich in der Praxis entscheiden ob er einem vielleicht auch noch gar nicht bereiten Baby Brei mit dem Löffel füttert.

6. Ist er ein Stillkind und trinkt er Wasser problemlos aus Flaschen? Funktioniert hier nie

War er, kurz vor seinem ersten Geburtstag habe ich mich aber für Flaschenmilch entschieden. Trotzdem hat er Wasser nie aus der Flasche bekommen. Probiert man den Schnabeltassen Becher von Ikea, der weiße mit grünen Deckel. Den mögen die meisten Stillkinder. Ansonsten kommt auch noch gut: Strohhalmflasche, Magic Cup, Doidy Cups oder Trinklernflaschen ab 6mo mit weichem Schnabel.

7. Was und wieviel trinkt dein Baby zur Beikost?

Ausschließlich Wasser, angeboten zu den Mahlzeiten und ab dem Punkt wo er wirklich nennenswerte Mengen aß auch mal zwischendurch. Zwei Dinge sind mir wichtig zu sagen:

  1. Vollgestillte Kinder brauchen kein zusätzliches Wasser, ganz im Gegenteil, es könnte sogar zu einer Wasservergiftung kommen. Alles dazu lest ihr hier
  2. Tee ist meiner Meinung nach nur zu geben, wenn es einen medizinischen Hintergrund hat. Natürlich koche ich meinen Kindern einen Kamillentee wenn sie Bauchweh haben – aber ich gebe nicht von vornherein Tee’s um zb die Verdauung anzukurbeln oder die Drei Monats Koliken zu verbessern. Der Darm eines Babys ist unreif und da würde ich immer so wenig eingreifen wie möglich.

8. Ab wann sollten sie denn mal mehr essen?

Wenn sie soweit sind. Essen soll ein positiv geprägtes Erlebnis und nicht von Zwang und „noch ein Bissen“ geprägt sein. Ich weiß, gerade wenn es zum ersten Geburtstag hin geht, fühlt man sich als würde man nur noch stillen und das Kind niemals essen. Aber auch das ist normal. Das Baby flüchtet sich immer wieder zu altbekanntes, wenn neue Entwicklungsschritte auftauchen. Meine Freundin sagte mir letztens erst wieder: mit 12 Monaten essen ist nichts und mit 18 Monaten futtert sie mir die Haare vom Kopf. Der Tag an dem das Kind mehr isst und selbstständig Mahlzeiten ersetzt, wird kommen!

9. Hast du erstmal nur Mittags mit Fingerfood begonnen?

Nein, ich habe den Kids zu allen Mahlzeiten die wir auch aßen etwas angeboten. Manchmal aßen sie, manchmal nicht. Davor und Danach habe ich immer gestillt. Es geht beim BLW nicht nach einem strengen Beikostplan, sondern darum dass die Lebensmittel Stück fr Stück kennengelernt, kleine Mengen aufgenommen und dem Darm vertraut gemacht werden. Es geht nicht im Stillmahlzeiten ersetzen.

10. Kannst du Literatur empfehlen?

Kann ich! Ich habs euch direkt hier mal verlinkt, dieses Buch hat meine Ansicht zu Beikost komplett verändert und ist für mich der Grundstein allem, was ich bezüglich Ernährung der Kinder denke.