Eines der häufigsten angefragten Themen auf Instagram ist, wie ich abgestillt habe. Ich umgehe diese Frage gern und so recht wollte ich da immer nicht drauf antworten. Warum nicht, erkläre ich euch in diesem Beitrag. Ich möchte aber dennoch teilen, wie wir es gemacht haben und auf eure häufigsten Fragen dazu eingehen.

Warum spreche ich nicht über das Abstillen?

Stillen ist das beste für ein Baby. Das ist nicht nur Gequatsche, sondern wissenschaftlich belegt und unterstrichen. Es gibt so viele Stillmythen und Unwahrheiten die immer noch, selbst von Fachpersonal, in die Welt hinaus getragen werden und junge Mütter verunsichern. Habe ich genug Milch? (Vorab: Ja, das hast du!) oder „Jetzt muss ich aber mal aufhören, sonst kann das Kind nicht in die Krippe / wird nie durchschlafen / wird sich nie andere Bindungspersonen suchen.“ (Vorab: Doch, das wird es alles und kann es alles – unabhängig vom Stillen.) Ich möchte mit meiner Abstillgeschichte nicht weiter verunsichern, nicht noch mehr Vibes senden, dass Stillen vielleicht keine gute Idee wäre. Denn das ist es, eine wundervolle Idee.

Unsere Stillgeschichten

Ich habe meine Tochter 15 Monate und meinen Jüngsten 12 Monate gestillt. Meine Tochter hörte in dem Alter einfach auf zu Fragen, nach der Milch und es erledigte sich von selbst. Meinen Jüngsten habe ich aktiv abgestillt. Warum ich das gemacht habe, ist privat. Darüber habe ich niemals gesprochen und werde ich niemals sprechen.

Ich habe immer gern gestillt. Mit manch einem Milchstau zu kämpfen gehabt und es immer wieder geschafft. Wir hatten schwierigere und einfachere Stillphasen. Abstände zwischen 30 Minuten und drei Stunden. Meine Kinder haben immer gut zugenommen, das Stillen genauso wie ich genossen und ich musste nie Milch anrühren oder Flaschen auskochen. Zusammengefasst war es eine sehr schöne Zeit der engen Bindung. Die enge Bindung haben wir natürlich auch heute noch.

Abstillen beim Jüngsten

Es war kurz vorm ersten Geburtstag, dass ich für uns beschloss, dass wir abstillen werden. Mein Baby kannte es aus den vorherigen Monaten, die Flasche zu bekommen. Wir haben sehr unregelmäßig, wenn ich gerade mit der Großen ihre Exklusivzeit hatte oder Abends unterwegs war, die Flasche gegeben. Das war ca. ein mal in zwei Wochen. Dazu habe ich mich mit einer lieben Freundin und angehenden Stillberaterin ausgetauscht, welche mir von Herzen die Lasinoh Flaschen empfohlen hat. Diese würden wohl besonders gut von Stillkindern angenommen werden.

Das kann ich nur bestätigen und unterstreichen. Mein Baby hatte nie Probleme nach einmal Flasche geben, wieder normal wie vorher auch weiter zu stillen. Aber vorsichtig – hier ist jedes Kind anders. Wenn ihr stillen wollt und nur ab und zu die Flasche gebt, das Kind aber Probleme mit dem Wechsel hat – wendet euch unbedingt an eine Stillberaterin. Eine Saugverwirring ist für keinen schön, auch für euch nicht die dann im schlimmsten Fall eine Mastitis bekommt, weil das Kind nicht abtrinkt.

Stillmahlzeiten ersetzen

Wir haben folgendermaßen begonnen: Ich habe den Kleinen Abends wie immer ins Bett gebracht und in den Schlaf gestillt. Meistens hat er dann nochmal im Laufe des Abends oder wenn ich später am Abend ins Bett ging, stillen wollen. Diese Stillmahlzeit haben wir zuerst mit der Flasche ersetzt. Mir wurde das so empfohlen, weil die Kinder dann im Halbschlaf wohl einfacher die Flasche nehmen als am Tag.

Dann ging es nach und nach. Zu dem Zeitpunkt haben wir noch vormittags, mittags und nachmittags gestillt. In dieser Reihenfolge haben wir nach Gefühl und Bedarf eine Flasche angeboten. Wollte er diese mal nicht, habe ich wieder wie vorher gestillt. War meine Brust noch zu voll, weil er zb die Nacht zuvor nicht oft gestillt hat, habe ich vormittags auch wieder gestillt. Ich halte nichts davon sowas nach Plan zu machen. Schaut auf euer Baby, schaut auf eure Gesundheit. Macht es mit Sinn und Verstand.

Zuallerletzt haben wir dann das Einschlafstillen am Abend mit einer Flasche ersetzt. Ich weiß dass viele Kinder sich da schwer mit tun. Bei uns ging es aber ohne Probleme. Ein paar Abende hat der Papa die Kinder ins Bett gebracht, da wurde gar nicht ans Stillen gedacht und dann habe ich wieder übernommen und die Flasche wurde ebenfalls auch von mir genommen.

Stillen nach Bedarf – Flasche nach Bedarf

Da ich nach Bedarf gestillt habe, war klar dass ich auch nach Bedarf die Flasche gebe. Ein Kind kann nicht zu viel Pre Milch trinken. Das ist absolut erwiesen. Also habe ich ihn, wie vorher beim stillen auch, immer die Flasche angeboten wenn ich das Gefühl hatte, er möchte trinken. Schnell haben wir auch so einen Rhythmus gefunden.

Zu volle Brüste

Körperlich hatte ich persönlich gar keine Probleme. Dadurch das wir wirklich ganz langsam umgestellt haben, hat sich meine Milchmenge einfach angepasst und wurde immer weniger. Hätte ich das Gefühl gehabt, sie wären zu voll und es würde Richtung Milchstau gehen, hätte ich die Brust vorsichtig unter der Dusche ausgestrichen. Abpumpen fördert die Milch und das Volumen – davon würde ich abraten und es wirklich nur machen, wenns gar nicht anders geht. Ansonsten hilft auch eine Tasse Salbeitee, Empfehlung meiner Hebamme.

Die Entscheidung liegt bei dir

Dies hier soll kein Beitrag gegen das Stillen sein – überhaupt nicht. Aber es soll ein Beitrag sein, der Müttern Kompetenz zuspricht für sich und ihr Baby zu entscheiden, wie lange sie stillen möchte. Ich denke dass ihr, die mich hier lest, aufgeklärte, kluge Frauen seid. Und ich denke ihr werdet mit dem Wissen, dass euch zur Verfügung steht, selbst entscheiden können was das richtige für euch und euer Baby ist.

Ich bin gegen Mom Shaming in jegliche Richtung und allein das es mich über ein halbes Jahr gebraucht hat, diesen Beitrag zu schreiben, aus Angst vor der Gesellschaftlichen Verurteilung, zeigt, wie aktuell dieses Thema ist. Wenn ihr ausschließlich stillen wollt und werdet – wundervoll. Wirklich. Ich finde es toll und unterstütze jede Mama in ihrem Weg, gerne auch Langzeit zu stillen. Ich habe diesmal einen anderen Weg gewählt. Und auch diese Entscheidung sollte unter Müttern respektiert werden.

Über Instagram konntet ihr Fragen stellen, die ich hier gern noch mit aufnehmen möchte. Vielleicht findet sich ja jemand von euch darin wieder:

„Was gebe ich nach dem abstillen und muss man unbedingt danach etwas geben?“

Pre Milch, und immer nur Pre. 1er und 2er erhalten unnötige Stärke und damit Zucker. Manche sagen, dass die Kinder ab einem Jahr keinen Ersatz brauchen. Ich würde das stark vom Kind abhängig machen. Ein Einjähriges ist immer noch ein sehr kleines Kind. Ein Kind mit Saugbedürfnis. Für meinen Jüngsten wäre es nicht vorstellbar gewesen, ihm die Milch wegzunehmen, so komplett. Und ich finde auch gar nichts schlimmes daran dem Kind die Flasche weiterhin so zu geben, wie es auch gestillt hätte. Auch das wird sich reduzieren. Mittlerweile ist er 18 Monate und trinkt mittags, abends und wenn ich ins Bett gehe noch eine Flasche. Manchmal nur ganz wenig, manchmal will er sie gar nicht. Ich habe mir angewöhnt ihn vorher zu Fragen, damit ich keine Milch umsonst mache.

„Wie entwöhnt man das Baby sanft vom Einschlafstillen?“

Erstmal kann ich dazu nur den Artikel zum nächtlichen Abstillen nach Gordon empfehlen – der sich an Kinder und Eltern ab einem Jahr richtet. Damit haben Freundinnen von mir gute Erfahrungen gemacht und ich mag den Ansatz sehr. Lest es euch mal durch, vielleicht könnt ihr das aufs Einschlafstillen bei euch übertragen.

Was ich immer empfehle ist zb tragen, Pezziball hopsen oder das Baby auf den Bauch legen und wiegen. Oder im sitzen im Bett im Arm halten und wiegen. Ich finde wichtig hier so grundlegend zu sagen: „Es gibt jetzt vielleicht keine Milch, oder das Stillen was du liebst ABER ich bin deine Bezugsperson, ich bin bei dir, du bist nicht allein und wir finden ein anderes, neues, schönes Ritual bei dem du entspannen und einschlafen kannst.“

„Sollte ich abstillen wenn ich wieder arbeiten gehe oder abpumpen? Wie ist es leichter für den Papa?“

An dieser Stelle möchte ich einmal betonen, dass das Abstillen niemals davon abhängig gemacht werden sollte was die Gesellschaft, der Kindergarten oder sonst jemand dazu denkt. Kinder passen sich an.

Was habe ich mir Gedanken gemacht, als meine Tochter mit einem Jahr in die Krippe kam und ich noch gestillt habe. Im Endeffekt war es aber ganz einfach: Keine Mama da, keine Brust da, keine Milch da. Das versteht ein Kleinkind. Und sie hatte Zero Probleme und hat einfach gegessen Mittags statt zu stillen, was sie zu dem Zeitpunkt noch gern zum Mittagsschlaf gemacht hat.

Ich würde immer einfach weiter stillen und die Situation auf mich zukommen lassen. Ist es ein sehr kleines Baby, würde ich abpumpen.

„Vermisst du das stillen manchmal? Auch aus praktischen Gründen?“

Klar, es war ja eine schöne Zeit und ich habe immer gern gestillt. Es ist praktisch, immer hygienisch und wohl temperiert sofort verfügbar. Das ständige Flasche auskochen, Milchpulver kaufen Ding wäre mir zb gar nichts für die ersten Monate gewesen. Jetzt mit drei Flaschen am Tag komm ich klar, aber ein ausschließlich Milch-brauchendes Wesen nicht zu stillen das käme echt nicht in Frage für mich.

„Hättest du weiter gestillt, wenn du gemerkt hättest das er es doch noch sehr braucht?“

Schwierige Frage, da ziemlich viel hätte hätte Fahrradkette… Aber so aus dem Bauch würde ich schon sagen, dass ich weiter gestillt hätte. Er hat es nunmal so gut aufgenommen und es war eine schmerzlose Umstellung für alle, daher kann ich das gar nicht so recht nachfühlen wie es sein muss, wenn das Kind absolut nicht aufhören will zu stillen.

„Körperliche Veränderungen nach dem Abstillen?“

Brüste ade. Mehr brauch ich glaube ich nicht sagen 😉 Aber das wäre auch von der Schwangerschaft gekommen, nur früher, so hatte ich zumindest ein knappes Jahr ein volles Körbchen 😀

Wie langt habt ihr gestillt? Und wie lief das Abstillen bei euch?

Abstillen - entspannt und ohne Druck unser Weg und Ende der Stillbeziehung