In einer meiner Instagram Fragerunden kam recht häufig, ob ich mal über die Bindung zwischen Geschwistern schreiben kann. Was uns geholfen hat, wie es aktuell bei uns ist und was ich empfehlen kann.

Bevor wir überhaupt über die Beziehung zu einem Geschwisterkind sprechen sollten, sollten wir uns das Erstgeborene Kind einmal betrachten und uns klar machen:

  • die Veränderung der Familie durch ein weiteres Kind kann dieses Kind aus der Bahn werfen
  • es könnte Angst um seine Bezugspersonen haben
  • es könnte das Gefühl bekommen, dass das Baby wichtiger ist
  • es könnte an unserer bedingungslosen Liebe zweifeln
  • es wird in jedem Fall seinen „neuen“ Platz als großes Geschwisterkind erst finden müssen

Was ich damit sagen will: Himmel, habt Verständnis für dieses Kind. Dessen Welt auf den Kopf gestellt wird. Aber ich bin mir sicher, wenn ihr diese Punkte im Hinterkopf habt und euch deren bewusst seid, bevor ihr etwas sagt oder handelt, kommt ihr da gut durch.

Hurra – das Baby ist da

Die Anfangszeit kann schwer werden. Da ist ein neuer Mensch mit so vielen Bedürfnissen, die nicht warten können. Ihr seid vielleicht selbst noch gar nicht wieder auf dem Posten, nach der Geburt. Und mal ehrlich: solltet ihr auch nicht sein. Wöchnerinnen gehören ins WochenBETT.

Ohne die Hilfe meines Mannes wäre es wohl schwierig geworden. Ich habe das Wochenbett ernst genommen und wirklich viel gelegen. Seine volle Aufmerksamkeit galt unserer Großen. Ich lag meistens den Tag über, während sie in der KiTa war mit dem Baby im Bett und bin dann, wenn sie Nachmittags kam, aufgestanden um mich intensiv mit ihr zu beschäftigen. Zu unseren Glück hat da der Kleine meist geschlafen oder ich habe ihn ganz zufrieden ins Tuch gebunden.

Egal wie ihr euren Weg findet, ich finde es wichtig das der Vibe der ganzen Sache immer dieser bleibt: Ja, hier ist jetzt ein weiteres Kind. Ja, das Baby braucht Mama sehr viel. ABER die Liebe, Zeit und Aufmerksamkeit für dich ist nicht weniger geworden – nur anders.

Kompetenzen zusprechen

Meine Tochter blühte immer sehr auf, wenn sie auch im Bezug auf ihren Bruder ernst genommen wurde. Also wenn sie vorschlug, dass wir ihm gemeinsam eine Windel wechseln, machte ich das mit ihr.

Ich lies sie viel kuscheln und streicheln, versuchte mich zusammen zu nehmen wenn sie mal etwas hektisch mit ihm wurde und griff nur ein, wenn es wirklich nötig war. So ein Baby gibt ja auch immer direktes Feedback – sie merkte also schnell dass das Baby es nicht so gern mag wenn sie wild vor ihm rum fuchtelte oder ihn zu sehr drückte.

Damals wie heute übernehme ich viel in der Kommunikation zwischen den Kindern. „Ich glaube das tut ihm weh.“ oder „Schau, er wird ganz aufgeregt wenn du so wild tobst.“ Dann biete ich meist Alternativen an und finde Lösungen gemeinsam mit dem Großen Kind. Ohne sie dabei zu degradieren oder das Baby zu bevorzugen.

Rücksicht nehmen

Empathie ist so eine Kiste, bis zum Vorschulalter. Da kann man Glück haben wie wir und das Kind ist sehr verständnisvoll, es kann aber auch sein dass es das eben nicht ist. Und auch das ist ganz normal.

Ich habe immer viel erklärt und versucht es simpel zu fassen. Auf einer Ebene, in der sie es eher begreifen kann. Ich habe zb. gesagt, dass wir eine Familie sind und Familien aufeinander aufpassen. Und dass das Baby nun der Kleinste hier ist und wir alle gemeinsam auf ihn achten werden. Ich habe auch immer betont das jeder wichtig ist in unserer Familie. Die Große genauso wie auch das Baby.

Damit meine Tochter sich immer wieder in ihrer Position sicher und bestätigte fühlte, habe ich auch mal mit dem Baby gesprochen. Als er zb krabbeln konnte und mir immer wieder auf den Schoß krabbelte und die „Prime Position“ haben wollte, in der aber grad die Große sagt, sagte ich zu ihm: „Du warst eben auf dem Schoß. Jetzt ist deine Schwester dran. Komm her setzt dich auf mein Bein aber die Große sitzt jetzt in der Mitte.“

Das Baby versteht davon natürlich genau gar nichts – die Große aber. Sie merkt: Ich bin hier auch wichtig. Jeder ist mal „dran“. Mama teilt sich fair auf.

Umso leichter fiel es ihr dann, die Situationen in denen ich den Kleinen vorziehen musste hinzunehmen.

Bedürfnis Quartett

So weit ist der Vergleich zwischen Hubraum und PS gar nicht entfernt, wenn man als Mama zweier Kinder blitzschnell die Bedürfnisse aller abwägen und entscheiden muss, welches jetzt das dringlichere ist. Die Windel des Kleinen ist voll, die Große will etwas trinken. Einer heult, einer schläft nicht, einer hat Hunger, eine will toben.

Diese kleinen Entscheidungen trifft man immer wieder über den Tag verteilt und erwartet nicht, immer die Richtigen zu treffen. Aber trefft sie bewusst und habt, wenn alles den Bach runter geht, den Mumm auch euren großen Kindern zu erklären, dass ihr nicht unfehlbar seid.

Mit eine Portion Rücksicht und viel Zuversicht, die ihr haben dürft denn zwei Kinder können etwas ganz wundervolles sein, packt ihr das! Go Mum!

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