„Noch ein Löffelchen für Papa… eins für Mama…“
„Erst das Gemüse, dann kriegst du Nachtisch.“
„Du musst auch das Fleisch essen.“

Na, wer hat sich schon mal bei dem ein oder anderen Satz erwischt? Ich bin da auch nicht frei von Schuld – und auch wenn ich mich schon vor dem Beikost Start meiner Großen intensiv zum Essen für Kinder belesen hatte, rutscht mir so ein Satz auch manchmal raus. Aber hier soll’s nicht um die Ausrutscher in Kinderernährung gehen – sondern um die Einstellung die man dazu vielleicht annehmen möchte.

Vorab – ich beziehe meine Informationen größtenteils aus dem Buch von Gonzales „Mein Kind will nicht essen.“ Das war immer, zusammen mit dem Verhalten meiner Kinder bei Essen, mein Nachschlagwerk und meine Inspiration warum wir vieles bei der Ernährung vielleicht nicht ganz so konventionell halten, wie man annimmt.

Dein Kind ist kompetent

First things first: Die Kompetenz eines Kindes anzuerkennen und ihm zuzusprechen, das es intuitiv wissen wird, was für es richtig ist, ist der Grundstein hierbei. Ich gehe also davon aus, das mein Kind auf die Welt kommt und genau weiß was es braucht. Am Anfang ist das (Mutter-) Milch. Ein Baby sucht nach Geburt nach der Brust, möchte trinken. Es trinkt so lang es möchte, soviel wie es möchte und so oft es möchte. Und nun könnt ihr jedes „möchte“ einmal mit dem Wort „braucht“ ersetzen. Es gibt kein zu viel stillen. Evolution ist was wunderbares und hier zeigt sie sich in ihrer puren Form. Wir kommen also auf die Welt und wissen genau was uns nährt und was das richtige für uns ist.

Wann aber verlernen wir diese Gabe?

Verlernen ist vielleicht das falsche Wort – krass gesagt, wird es uns abtrainiert. Wir essen mehr als wir sollten, weil der Teller leer werden soll. Wir essen eher ungesunde Lebensmittel, weil sie uns vielleicht einmal verboten wurde, oder limitiert zur Verfügung stand. Sowas merkt sich der Körper.

Ersparen wir also unseren Kindern spätere Diätprogramme oder Wege um zurück zu diesem natürlichen und intuitiven Essen zu kommen. Und unterstützen sie in ihrer Entwicklung. Aber wie?

Erstes Essen – der Beikoststart

Den Anfang macht das Stillen nach Bedarf, wie ich es oben schon beschrieben habe. Danach werden die ersten Lebensmittel vorgestellt. Wir haben ganz zu Anfang mit Fingerfood gestartet. Das hat vor allem den Grund, das ich möchte das meine Kinder ihr Essen kennen lernen. Wie sieht es aus, wie fasst es sich an? Wie schmeckt es?

Hierbei habe ich nicht klassisch mit Karotte, dann mit Pastinake usw angefangen. Studien belegen, dass diese Beikosteinführung aus Zeiten stammt, indem Babys ab dem 3/4.Monat mit diesen Lebensmitteln in Breiform gefüttert werden. Ein unreifer Darm, verträgt wohl wirklich keine Karotte in rauen Mengen. Wartet man aber bis zur absoluten Beikostreife ab, so sind selbst gewählte Mengen absolut ok.

Wie erkenne ich die Beikostreife

Es gibt ein paar sehr einfach zuerkennende Beikostreifezeichen – trotzdem ist jedes Kind verschieden und ich denke jede Mutter und jeder Vater werden es am besten wissen, wann ihr Kind soweit ist.

Mir wurde mal gesagt: „Dein Kind ist Beikostreif, wenn es auf deinen Teller greift, sich etwas nimmt, kaut und schluckt.“

Trotz allem, hier die wichtigsten Beikostreifezeichen:

  • dein Kind kann sich selbstständig aufsetzen und sitzt frei
  • dein Kind hat großes Interesse am Essen, verfolgt was du tust und greift nach Nahrung
  • die ersten Zähnchen brechen durch
  • der Zungenstoßreflex ist nicht mehr vorhanden
  • dein Kind greift nach Essen, steckt es sich in den Mund und kaut

Das klingt sehr wage und man muss hier auch ein großes Achtung dahinter setzen: denn nur ein einziges Reifezeichen genügt nicht, Auch Dreimonate alte Babys haben Interesse am Essen, weil sie sehen wollen was ihre Familie da tut. Das bedeutet nicht, dass es reif genug ist, selbst zu essen. Oftmals genügt es diesen Kindern einen Becher oder ein Schälchen in die Hand zu drücken, die es beim Familienessen erkunden kann.

Die ersten Lebensmittel

Wenn ihr wie ich mit Baby Led Weaning, kurz BLW starten möchtet, kann ich euch folgende Lebensmittel zum Start empfehlen: Banane als Stück, Brötchen, Avocado, Gurke in Stickform. Überhaupt gebe ich alles lieber in großen Stücken, denn nur so können die Kinder kleine Bisse abbeissen. In der Regel verhindert dies verschlucken sogar.

Trotzdem kann es, wie bei jeder Nahrungsgabe, zu verschlucken kommen. Ein Baby-Erstehilfe-Kurs nimmt hier die Angst. Den hatte ich schon bei meiner Großen gemacht und seitdem weiß ich, wie ich reagieren muss wenn das Kind sich verschluckt. Gebraucht habe ich es ein mal – bei meiner Tochter. Bei meinem Sohn noch nie. Ich empfehle jeder Mutter und jedem Vater so einen Kurs zu belegen. Er ist, nicht nur was die Nahrungsaufnahme und den Beikoststart angeht, goldwert.

Es gibt kein gutes und kein schlechtes Essen

Erst das Gemüse essen, erst das Fleisch essen – unsere eigenen Erfahrungen aus der Kindheit prägen da. Aufessen, keine Süßigkeiten. Wir haben tausend Regeln im Kopf, die nicht nur uns sondern auch unseren Kindern die Lust am Essen gehörig vermiesen können.

Ich behaupte (und durfte erfahren): Wenn sich ein Kind aus den mir sinnvoll erscheinenden Lebensmitteln nach Herzenslust bedienen darf, isst es unterm Strich vollwertig und gesund.

Also klar: heute Fertigpizza und morgen Döner, das gibt es bei uns nicht. Ich lege wert auf regionale, saisonale und ausgewogene Kost. Wir haben vegane, vegetarische und Gerichte mit Fleisch, Gemüse aus dem eigenen Garten und Eier von den eigenen Hühnern. Den Kindern werden keine Verarbeiteten Hauptmahlzeiten angeboten.

Aber ob sie zuerst die Kartoffeln essen wollen, oder lieber kein Fleisch, oder keine Erbsen und dafür eine Tonne Rotkraut – das ist ihnen überlassen. Wir dürfen vertrauen und wissen: Kinder die immer intuitiv essen durften, werden sich dessen bedienen was sie gerade brauchen.

Druck raus – freie Wahl an

„Aber wenn ich nicht vorgebe was gegessen wird, isst sie gar nichts / isst sie nicht gut / isst sie zu wenig / isst sie nur die Kartoffeln.“ Ich weiß die Umstellung kann schwer sein, man gibt Kontrolle ab und fürchtet vielleicht eine Unterernährung. Das wird nicht passieren. Kein Kind verhungert vor dem gedeckten Tisch. Und ja, auch die Wahl einmal nichts zu essen ist vollkommen normal und darf sein. Ihr werdet sehen, bei der nächsten Mahlzeit werden die Kinder das alles wieder „Aufholen“ Meine beiden Kinder haben immer mal wieder Phasen, in denen sie wenig essen. Ich bewerte das gar nicht, mache es nicht zum Thema. Ich teile ihnen mit, dass das Okay ist und wenn sie Hunger haben, sollen sie es mir bitte sagen.

Kein Gezerre ums Essen

Essen soll Spaß machen, gemeinsames am Tisch sitzen soll uns als Familie eine schöne Zeit schenken. Ich weigere mich, mit meinem Kind über die Lebensmittel und deren Reihenfolge zu streiten. Das baut nur Druck auf, das Kind wird in seiner Auswahl vehement beeinflusst („was stimmt mit dem Rest des Tellers nicht, wenn ich das Gemüse zuerst essen muss? Was stimmt mit dem Gemüse nicht?“)

Wir sehen das Familienessen als Grundbedürfnis aller und sprechen unseren Kindern die Kompetenz zu, dies für sich selbst zu entscheiden.

Und wie ist das mit den Süßigkeiten?

Kann ich hier überhaupt etwas „richtiges“ schreiben? 😉 Ich glaube nicht. Aber ich kann euch sagen, wie wir es mit dem Süßen handhaben. Vorab, mir ist klar was in verarbeiteten Süßigkeiten drin ist. Und es begeistert mich nicht. Trotz allem bin ich dagegen ein striktes Verbot aufzulegen und möchte nicht das Kind haben, das sich bei jeder Gelegenheit an anderen Tischen bis zum Erbrechen mit eben diesen voll stopft. Also, kaufen wir diese Süßigkeiten. Süßes steht niemals zur freien Verfügung irgendwo rum. Es gibt es ausschließlich auf Nachfrage, dann aber zu 99%. Manchmal fragt meine Tochter drei mal am Tag, dann mal eine Woche gar nicht. So grob geregelt haben wir es folgendermaßen:

  • kein Süßes vorm Frühstück
  • kein Süßes nach 17Uhr (Zuckerschock vorm einschlafen kommt nicht so gut)
  • kein Süßes direkt vor den Mahlzeiten / als Mahlzeit-Ersatz

Mit diesen Regeln fahren wir hier für uns, alle ganz gut. Ich wüsste nicht, wie meine Tochter sich verhalten würde wenn sie rund um die Uhr Süßigkeiten zur freien Verfügung hätte, weiß aber auch darum, dass sie einfach noch zu klein ist um zu erkennen dass hinter dem vielen Zucker kein besonderer Nährwert steckt, wie es das Gehirn ihr leider suggeriert.

Fazit

Meine beiden Kinder essen von Geburt an intuitiv. Ich habe immer nach Bedarf gestillt und gebe dem Jüngsten auch aktuell noch nach Bedarf die Flasche. Beide Kinder essen meiner Meinung nach absolut ausgewogen und gesund. Sie haben beide verschiedene Gemüse und Obstsorten die sie besonders lieben und probieren das meiste wirklich gerne aus. Wir sind frei von Druck oder Zwang.

Habt ihr schon mal von intuitiven Essen gehört? Praktiziert ihr es vielleicht selbst?

Endlich Spaß am Essen mit Intuitiver Ernährung für Babys und Kinder. Egal ob bei der Beikosteinführung oder für dein Schulkind.