Oft auf Instagram angefragt, daher hier für euch verbloggt: Unser Weg zu windelfrei, wie wir das Töpfchen inkludieren und warum wir nicht loben.

Windelfrei beim ersten Kind – ein später Start

Meine Tochter hatte die ersten drei Monate unglaubliche Koliken. Wir schleppten uns da so durch, das uns windelfrei dabei helfen hätte können, wussten wir noch nicht. Sie war ein halbes Jahr alt, als ich begann mit Stoffwindeln zu wickeln. Und so ziemlich zeitgleich, kam auch windelfrei hinzu. Elimination Communication wird es auf englisch genannt – ein meiner Meinung nach passenderer Ausdruck für das was windelfrei für uns bedeutete.

Es heißt eigentlich schlichtweg: Ausscheidungs Kommunikation. Also das Kind zeigt an, dass es muss und wir als Eltern nehmen dieses Bedürfnis an und zeigen dem Kind eine Alternative zur Windel.

Meine Tochter begann also ab einem halben Jahr – mit 15 Monaten war sie tagsüber trocken. (Nachts war sie übrigens erst mit 3,5 Jahren trocken. Was für uns überhaupt kein Problem war. Tags wie Nachts – Kinder werden trocken wenn sie so weit sind.)

Der Mensch ist kein Nestbeschmutzer

Ich gehe jetzt mal so weit und sage: kein Baby möchte in seine Windel machen. Evolutionstechnisch gesehen, ist es nicht attraktiv für ein Menschenkind, sich selbst bzw seine Mutter mit Urin oder Kot zu beschmutzen. Das lockt Fressfeinde an. Und gefressen werden will schließlich keiner. Aber es hat doch die Windel?, werden jetzt viele sagen. Das stimmt, absolut. Aber weiß das Baby denn, dass es eine Windel hat? Natürlich nicht. Es kommt als Steinzeitbaby zu uns. Es weiß nicht das es sich in einer westlichen Welt ohne Fressfeinde befindet.

Elimination Communication

Gehen wir also auf dieses Bedürfnis ein, sich nicht einmachen zu wollen, so lernen wir schnell unser Kind lesen. Ich glaube die meisten Mütter wissen wie ihr Kind guckt, wenn es gerade eine Ladung in die Windel drückt. Viele Kleinkinder zeigen auf die Windel, sobald die ersten Worte kommen wird es oftmals auch verbalisiert. Selbst bei ganz kleinen Babys kann man sehen, wie sie konzentriert inne halten, oder sich bei dem größeren Geschäft mit Bauchweh quälen.

Erkennen und handeln

Windelfrei ist also einfach ein Weg des Erkennens und danach handeln. Ich sehe das meine Kinder mal müssen (oder sie sagen es mir) und ich biete ihnen die Alternative an. Das war bei meinem Sohn abhalten ab Geburt, bei meiner Tochter dann erst mit den Stoffwindeln im Alter von einem halben Jahr auch abhalten und später das Töpfchen.

Zeigte also eins meiner Kinder an, das es mal musst, sind wir ins Bad gegangen, die Kinder wurden ausgezogen aufs Töpfchen gesetzt und sobald sie nicht mehr sitzen wollten, wieder genommen und angezogen. Manchmal war was drin, manchmal nicht.

Und Loben? Wieso lobst du nicht?

Nun habe ich in den Stories gesagt, dass ich nicht lobe wenn das Kind ins Töpfchen gemacht hat. Wenn ihr meine vorherigen Zeilen gelesen habt, wisst ihr das ich das nicht-in-die-Windel-machen als absolut natürliches Bedürfnis eines Kindes ansehe. Und als nichts, was man trainieren oder abtrainieren müsste. Insofern, lobe ich auch nicht. Ich möchte mit meinem Lob nicht manipulieren, nicht das Kind dazu drängen die Windel aufzugeben und somit Stress und Druck hinter das ganze setzen. Ich bin der absoluten Überzeugung, und habe die Erfahrung bei meiner Tochter gemacht, das ein simples Alternativen aufzeigen und das Kind machen lassen, zum Windeln weglassen führen kann.

Das maximale was ich mache und als wichtig ansehe ist das Benennen. Also wir gucken dann schon ins Töpfchen und sagen „Da hast du Pipi gemacht.“ Oder wenn das Kind gerade macht „Du pullerst“ Schlichtweg um dem Kind ein wenig zu helfen, seinen Körper und dessen Funktionen zu verstehen. Und auch zu verstehen, dass dies nichts ist worüber man aufgeregt sein müsste. Ein natürlicher Prozess.

Windelfrei – aber ihr habt doch Windeln?

Genau, wir haben windeln. Streng genommen ist das was wir betreiben auch nur Teilzeit-Windelfrei. Weil meine Kinder immer eine Windel tragen und getragen haben. Klar ist die oft trocken. Aber als Backup habe ich sie immer dran gelassen. Sich einzunässen ist nicht schön und gerade ein kleines Kind vergisst die Kommunikation im Spiel oder unterwegs schnell mal. Für uns war das so die beste Lösung.

Windelfrei beim Baby – ab Geburt

Beim Kleinen hielt ich ab Geburt ab. Auch er quälte sich mit Bauchweh und Koliken, das war durch das Abhalten aber absolut minimal. Sobald er anfing zu drücken, nahm ich ihn mit dem Rücken zu meinem Bauch, meine Hände stützten die Kniekehlen und dann hält man das Baby zb über eine Schale oder über der Toilette. Wenns länger dauerte, setzte ich mich selbst auf die Toilette, rutschte ganz nach hinten und hielt den Kleinen vor mich.

Nun dürfte man meinen, mein Sohn wäre mit 16 Monaten ungefähr an einem ähnlichen Punkt wie damals seine Schwester – weit gefehlt. Und ich finde hieran sieht man einmal wieder, dass windelfrei nichts mit Training zu tun hat. Sonst wäre er jetzt wohl trocken.

Er ist es nicht, nicht annähernd. Er kommuniziert, ja, manchmal. Nicht immer. Oftmals zu spät. Ist vertieft im Spiel, oder hat schlichtweg kein Interesse. Und wisst ihr, das ist absolut in Ordnung. Jedes Kind ist anders und darf es sein. Ich bin mir absolut sicher, dass er trocken werden wird wenn er soweit ist. Bis dahin biete ich Alternativen und meine Unterstützung an. Der Rest wird sich finden.

Standardsituationen und anbieten

Es gibt bestimmte Standardsituationen, in denen Kinder meistens auf die Toilette müssen. Gerade windelfrei Anfängern hilft es, anhand dieser Situationen ein Gefühl für die Sache zu kriegen. Diese sind meistens: nach und vor dem Essen, nach und vor dem Schlafen.

Ich biete meinem Sohn beim wickeln das Töpfchen an – auch wenn was in der Windel ist. Wenn er möchte helfe ich ihm beim drauf setzen, sobald er runter möchte, nehme ich ihn runter und Wickel ihn wieder.

Ich finde es total wichtig, hierbei weder irgendwelchen Druck oder Stress aufkommen zu lassen. Das Kind sollte niemals das Gefühl haben, es müsste jetzt auf die Toilette oder das Töpfchen gehen. Auch wenn es runter will oder aufsteht, entspreche ich dem sofort.

Fazit

Windelfrei ist für mich nicht der Weg, schnellstmöglich die Windel abzutrainieren und ich habe hier auch kein zehn Tages Programm wie euer Kind trocken wird. Ich denke aber, dass das reagieren auf die Signale des Kindes und das Nutzen bestimmter Zeitfenster die sich immer wieder in der Entwicklung öffnen, jeden Kind in seinem Tempo zum trocken werden verhelfen kann.